Die Sache mit den Gebrauchsanweisungen
 

Hobbys hat jeder, denke ich mal so vor mich hin. Meines ist lesen und schreiben :-))

Lesen kann ich alles, wirklich alles – bis auf Gebrauchsanweisungen. Nun sind die Hersteller irgendwelcher Geräte Schränke, Faltschachteln etc. ja schon darauf gekommen, dass es Gebrauchsanweisungs-Analphabeten gibt, so wie mich, und haben flugs alles umgestellt. Jetzt wird streng nach nummerierten Zeichnungen aufgebaut. Kein Kommentar dazu, nichts. Man dreht und wendet das Blatt Papier, aber es bleibt bei Grafiken.

Oh je! Dachte ich doch immer, selbst die ist Frau, aber nun muss ich wirklich zugeben, ab und zu wäre ein Mann im Haus auch ganz angenehm. Männer können so etwas sofort in ihre bewährten Hände nehmen und ratz-fatz ist so eine Schachtel zusammengebaut.

Für mich gibt es nur eine Variante, ich schmeiße diese vermaledeiten Zettel weg, setze Maschinen ohne Anweisung in Gang "learning by doing" nennt man das neudeutsch. Und meistens klappt das auch.

Hat man aber eine Bank gekauft, weil die im letzten Herbst gerade so billig und natürlich handlich verpackt war, ist mit "learning by doing" nicht so viel los.

Im letzten Frühling, die ersten Osterglocken steckten ihre Köpfe aus der Erde und ich den meinen in den Schuppen und siehe da, die Bank fiel mir wieder ein. Jetzt oder nie entschied ich, schleppte das Ungetüm auf die Terrasse und verschwand erst einmal völlig in dem Verpackungsmüll. Nun denn der wurde entsorgt, die Grafik mit der Aufbauanleitung natürlich nicht, die brauchte ich ja für alle Fälle, eine Bank kann frau eventuell doch nicht freihändig aufbauen. Dann breitete ich alle Teile aus und fing an zu grübeln.

Ganz abgesehen davon, dass ich wieder einmal mindestens fünf Hände zu wenig hatte, konnte ich mit den unterschiedlichen Schrauben und Muttern nicht so recht etwas anfangen.

Nach fünf Minuten war ich überzeugt, nie und nimmer wird da eine Bank draus und trank erst einmal einen Kaffee in der Sonne.

Nun neigen die meisten Frauen ja nicht dazu, einfach aufzugeben, dann hätte man den ganzen Kram in allen Einzelteilen wieder irgendwo unterbringen müssen.

Also wurde der Denkapparat erneut angeschmissen, kurz auf Logik getippt und siehe da, wenigstens die Rückenlehne und ein Armteil konnte ich schon mal zusammenschrauben.

Dass eine Bank ja in der Regel zwei Armlehnen hat, es sei denn es handelt sich um eine echt alte Chaiselongue, war sehr von Vorteil für mich. Also die zweite Armlehne konnte ich auch befestigen.

Zur Stabilität mussten noch einige Zwischenhölzer eingezogen werden. Aber, weil die Bank ja so billig war, passten die vorgebohrten Löcher schon gleich überhaupt nicht. Eine Bohrmaschine musste her, um die Löcher nachzubohren. Dann passten wenigstens die Schrauben.

Meine Lust auf eine Bank hatte sich schon reichlich verflüchtigt. Trotzdem arbeitete ich verbissen weiter. Irgendwie war aber auf der einen Seite ein Holz zu kurz, auf der anderen eines zu lang und schon musste ich wieder zur Logik, Abteilung zwei zurückgreifen, was da hieß, wenn der Hersteller diese Hölzer da reinpackt, dann gehören sie auch irgendwo hin.

Mittlerweile war ich überhaupt nicht mehr der Meinung, eine Bank zu benötigen, eine Selbstaufzubauende schon gar nicht. Aber der Ehrgeiz hatte mich fest im Griff, ich baute die ganze Angelegenheit wieder auseinander. Von dem ewigen Rein- und Rausgeschraube saß Gott sei Dank alles schon ein wenig locker, so kam ich unerwartet flott voran.

Jetzt kam Logik Punkt drei. Wir hatten nämlich schon so eine Bank irgendwo herumstehen, also erst einmal einen weiteren Kaffee geholt, und die Bank gesucht. AHAAAAAA!!! Jetzt hatte ich es.

Das wurde aber auch langsam Zeit. Ich gebe es nur ungern zu, aber ein Mann hätte die Bank in längstens einer halben Stunde aufgebaut. Und ich war hier schon murmel, murmel ein paar Stunden zugange.

Die Sonne war schon so langsam hinter der Rah verschwunden, als ich endlich eine fertige Bank vor mir stehen hatte. Etwas kipplig zwar, aber immerhin zur Dekoration ging es.

Am nächsten Tag strich ich sie noch blitzblau und fertig war das gute Stück.

Das Wochenende nahte und einer der Söhne auch. Wir wollten uns gemütlich zum Essen auf der Terrasse niederlassen. Der Sohn peilte die bewusste Bank an und mein Blick flog hektisch von seiner stattlichen Figur zur Bank und zurück. Das konnte auf gar keinen Fall gut gehen.

Angriff ist ja noch immer die beste Verteidigung, also erklärte ich flugs, diese Bank hätte ich mit diesen meinen Händen zusammengebaut und die wäre nur zur Dekoration gedacht.

Das hielt das Kind aber nicht davon ab, sich doch hinzusetzen und natürlich stellte er sofort fest, da konnte etwas nicht stimmen. Denn die Bank wackelte wie ein Schaukelstuhl.

Ein mitleidiger Blick streifte mich und fünf Minuten später lag das gute Stück in seine Einzelteile zerlegt auf der Terrasse und zwanzig Minuten später war sie perfekt zusammengebaut und nun konnte man auch drauf sitzen.

Also wenn ich den Rest meines Lebens nicht mit solchen unfruchtbaren Aufbauarbeiten zubringen will, brauche ich einen Hausfreund.

 
   
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